Zwickel und Kaps/Mi und Si in Alpirsbach

Nach einem Besuch in Marco‘ s Steakhaus in Horb (das im Augenblick nach einem massiven Wasserschaden immer noch geschlossen ist) begaben wir uns in ein weiteres Steakhaus, dieses Mal etwas entfernt vom Neckar, in das „Zwickel und Kaps und Mi und Si“ in Alpirsbach. Mit dabei war als Gastbewerter dieses Mal Karl-Heinz Hassmann vom Horber Marktplatz.

Hinter dem etwas ungewöhnlichen Namen stecken der Brauerei – Gasthof der örtlichen Brauerei sowie die beiden Anfangsbuchstaben von Michael Pokolm und Silvia Schumacher. Die beiden hatten vor der Übernahme der Gaststätte in Alpirsbch viele Jahre lang in der Traube Tonbach gearbeitet, Michael Pokolm als Küchenchef direkt unter Deutschlands bestem Koch, Harald Wohlfahrt, Silvia Schumacher als Chefin der Bar.

Sowohl von Außen als auch im Innern präsentiert sich das Gasthaus als typische Brauerei – Gaststätte, sehr rustikal eingerichtet mit klobigen Holztischen ohne Tischdecken, einem Braukessel über dem Tresen in der Mitte des Raums und zum Teil mit Hockern ohne Lehnen an den Tischen. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die Präsentation des Bestecks und der Servietten in einem Glas auf dem Tisch. Das Getränkeangebot konzentriert sich auf Bier, eine Weinkarte ist nicht vorhanden, das in dieser Hinsicht kleine Angebot wird auf Anfrage mehr oder weniger runter gerattert. Insgesamt ähnelt die Atmosphäre mehr einem Biergarten als einem Feinschmecker – Restaurant.

Das ändert sich dann mit dem Blick in die Speisekarte. Sehr informativ werden hier anhand eines Schaubildes die verschiedenen Steakarten erläutert und im Text auch beschrieben. Nach dieser Lektüre weiß man bestens Bescheid und ist hervorragend auf das Essen eingestimmt.

 

An diesem Abend sollte nur das Fleisch im Vordergrund stehen, deshalb wurde auf eine Vorspeise verzichtet. Man einigte sich auf das Nebraska „Dry Aged“ Entrecote (200g 29,90 € und 300g 39,90 €) und das Sirloin Center (300g 27,90 €), jeweils medium-rare (innen noch fast roh).

 

       Gast – BewerterKarl- Heinz und sein Sirloin – Steak

 

Die Steaks haben eine wunderbare Kruste, unterstützt wird der Geschmack durch eine geradezu himmlische Gewürzmischung aus verschiedenen Pfeffersorten und drei milden Butterkreationen mit Curry, Paprika und Röstzwiebeln. Es ist perfekt auf den Punkt gebraten, der Saft im Fleisch gebunden und zergeht auf der Zunge – Steaks, deren Geschmack kaum mehr zu steigern ist.

                 Das Entrecote

 

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Atmosphäre im „Zwickel und Kaps“ nicht verhindern kann, dass ein Essen dort ein großer Genuss ist.

Ambiente: 2 von 5 Wellen

Service: 2,5 von 5 Wellen

Qualität: 4,5 von 5 Wellen

Marcos Steakhaus Horb

Ein Steakhaus ist unter den Restaurants dieser Welt ein Platz, an dem im kulinarischen Bereich nur ein begrenzter Teil dessen vertreten ist, was in der ganzen Bandbreite der möglichen Angebote eines Restaurants genossen werden kann. In der Hauptsache ist es Fleisch, das auch nur in einer Zubereitungsart angeboten wird, es wird gebraten. Dies bedeutet für die Bewertung der Angebote eines Steakhauses, dass die Einschätzung der Qualität der dort angebundenen Speisen nicht vergleichbar ist mit einem normalen Restaurant, denn bewertet wird eben nur die Qualität des Fleisches und eine mögliche Zubereitungsart, alle anderen Bereiche, die Kochkunst sonst noch einschließt, bleibt hier außen vor, sie sind nicht Gegenstand der Bewertung. Ein Urteil über die Qualität eines Steakhauses muss unter dieser Einschränkung erfolgen.

Freunde des Steaks werden bei einem Besuch von Marcos Steakhaus sicherlich nicht enttäuscht sein. Die Atmosphäre in dem Lokal ist ansprechend, der Service immer aufmerksam und freundlich. Etwas verbesserungswürdig sind die Speisekarten, die dem Gast präsentiert werden, sie besitzen leichten Kebab-Haus-Charakter.

Eine sehr positive Überraschung ist dann der „Gruß aus der Küche“, ein wunderbar leichtes und flockig geschlagenes Schweineschmalz mit Kräutern, das mit kross getoasteten Brotscheiben gereicht wird. – ein wahrhaftiger Genuss.

Die von der Bedienung vorgeschlagene Vorspeise präsentiert sich als leicht geräucherter Rücken vom Frischling, auf einem Bett von Ackersalat, angerichtet mit Himbeeressig und Preiselbeeren. Das Fleisch ist ausgezeichnet, die kräftige Säure des Essigs harmoniert fein mit der Süße der Preiselbeeren, ein gelungener erster Gang.

Danach werden verschiedene Sorten Fleisch bestellt (einheitlich 23,50 €), die jeweils begleitet sind von Spaltkartoffeln und Salat – ein typisches Angebot eines Steakhauses. Die Steaks sind von sehr guter Qualität und von Marco auf den Punkt, wie jeweils gewünscht, gegrillt. Es zeigt sich, dass er sein Handwerk in diesem Punkt ausgezeichnet versteht.

 

Die Sauce des Rostbratens bleibt hinter dieser Qualität etwas zurück, hier könnten Fertigprodukte mit beteiligt sein, wir wissen es nicht genau.

Der Wein aus Argentinien und Chile (Flaschen) korrespondiert mit den Steaks ausgezeichnet und wird zu angemessenen Preisen angeboten.

Insgesamt ist der Besuch in Marcos Steakhaus für Freunde gegrillten Fleisches immer empfehlenswert.

Ambiente: 3 von 5 Wellen
Service:    3,5 von 5 Wellen
Qualität:   4 von 5 Wellen

 

Meze – Akademie Tübingen

 

Das griechische Restaurant ist in Deutschland eine Erfolgsgeschichte. In den Sechzigern ging man zum „Italiener“ um Essen mit Urlaubsfeeling zu verbinden, Jahre später traf man sich beim „Griechen an der Ecke“ um das gleiche Gefühl zu haben. Bis in die heutige Zeit bleiben „Poseidon“, „Mykonos“ oder „Zorbas“ die Orte, wo viele Bundesbürger sich hinbegeben um zu essen und sich wohl zu fühlen.

Der gute Ruf hellenischer Tavernen gründet sich bei uns dabei vor allem auf Unmengen von Fleisch, das sich auf den Tellern mit verschiedenen phantasievollen griechischen Namen türmt und dessen Qualität bei der Menge und dem Preis des Gerichts doch mit etwas Mißtrauen zu betrachten ist. Doch gewisse Bedenken in dieser Richtung werden dann spätestens beim Gratis-Ouzo unwiederbringlich hinweg gespült. Kulinarische Raffinesse war mit einem Besuch beim Griechen jedoch meist nicht verbunden.

In Tübingen versucht seit einem Jahr die Meze-Akademie im Lorettoviertel diesen für Feinschmecker zweifelhaften Ruf aus der Welt zu schaffen. Laut Eigenwerbung wird mediterrane Küche angeboten und bei den Hauptgerichten sind original griechische Gerichte auch in der Unterzahl. Doch im Meze ist der Name Programm, griechische Küchenkultur findet sich bei den Vorspeisen (griech. Meze), hier werden traditionelle Gerichte mit kulinarischer Raffinesse angeboten. Die beiden Wirtsleute machen einen engagierten Eindruck, es wird klar, dass sie mit Leidenschaft griechische Küche neu interpretieren wollen.

Die Mezeakademie bietet ausreichend Raum für viele Gäste, zu aller erst im Hauptraum, dessen Wand zur Straße hin vollständig verglast und dadurch hell und lichtdurchflutet erscheint. Platz für weitere Tische findet sich in einem kleineren Seitenraum und im Durchgang dazu. Alle Räume sind ansprechend dekoriert, man fühlt sich wohl bei diesem Griechen. Etwas zeitaufwändig gestaltet sich die Bestellung, zum einen, dass die Gerichte nur auf große Tafeln aufgeschrieben sind, die vor die Tische gestellt werden, und zum zweiten auch dadurch, dass das Angebot doch jeweils erklärungsbedürftig ist. Das Positive daran ist, dass man den Eindruck erhält, dass die Speisen immer wieder aktuell zusammengestellt werden.

Die Zutaten erscheinen frisch und von guter Qualität, der Service ist immer freundlich, auch wenn die jungen, aufmerksamen Servicekräfte nicht immer ganz Bescheid wissen.

Wir entschieden uns für je zwei Vorspeisen, insgesamt ergab das eine für jeden ausreichende Mahlzeit.

 

 

Weinblätter gefüllt mit Lamm und Rind in Zitronensauce

Die Weinblätter sind nicht wie sonst beim Griechen aus der Dose sondern selbst hergestellt, was sich beim ersten Biss schon positiv bemerkbar macht. Sie sind gut und ausgewogen gewürzt, die Zitronensauce ist eine traditionelle, cremige Mehl-Sahne-Sauce, ihr fehlt doch Leichtigkeit und Finesse.

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 Calamari mit Käse und Gemüse

Der Calamari ist am Stück zubereitet, für seine Größe könnte er noch etwas stärker gegrillt sein, die Füllung ist passend zur kurzen Grillzeit dezent gewürzt, insgesamt ein harmonischer Gesamteindruck.

 

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Flogeres (griech. Flöte) gefüllt mit Rind, Pinienkerne, Graviera-Käse (Schaf, Ziege), Tsatsiki-Dip

Diese Vorspeise erschien als optisch interessant angerichtete, dünne Blätterteigrollen mit einer kräftigen Füllung. Die zerstoßenen Pinienkerne in der Käsesauce harmonieren wunderbar mit der Fleischfüllung, leider trübt der zu starke Fritiergeschmack den Gesamteindruck doch etwas.

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Geräucherte Aubergine mit Kräutern und Feta

Diese Vorspeise bietet durch die verwendeten Kräuter und den ausgezeichneten, krümeligen, feinen Fetakäse ein breites Aromenspektrum, die Auberginen tragen durch einen dezenten Rauchgeschmack, der durch Garen im Ofen erreicht wurde, noch dazu bei.

 

meze-auberginen

 Bougatza

Das Dessert ist eine typische griechische Süßspeise, die durch viel Zucker geprägte Grießfüllung wurde nicht in Milch gekocht und erscheint dadurch nicht als schwere Grießpampe sondern leicht und bissfest. Sie wird durch einen feinen Blätterteig umhüllt.

 

meze-dessert

 

Wer wie beim Griechen sonst gewohnt einen vollen Teller erwartet, wird hier (angenehm) überrascht, die Speisen sind übersichtlich, optisch ansprechend angerichtet, zwei Vorspeisen waren für uns ausreichend.

Insgesamt ist ein Besuch in der Mezeakademie zu empfehlen, die Speisen sind doch etwas feiner und raffinierter zubereitet als bei den traditionellen Griechen.

Ambiente: 4 von 5 Wellen
Service:    4 von 5 Wellen
Qualität:   3,5 von 5 Wellen

 

Landgasthof Kaiser Rottenburg-Bieringen

Landgasthof – eine Bezeichnung, die eine Verbundenheit mit der Region ausdrückt, eine gewisse Solidität und Verlässlichkeit, auch was das kulinarische Angebot betrifft, das dem Gast in einem solchen Restaurant angeboten wird. Raffinierte Spitzengastronomie bis hin zu Sterne-Niveau ist da nicht unbedingt erwartbar, eher Bodenständiges und Herzhaftes. Doch gerade diesen Spagat zwischen raffinierter Spitzenküche und einer soliden, ländlich-schwäbischen Küche versucht Simon Albus mit seinem Team im Landgasthof Kaiser in Rottenburg-Bieringen zu leisten und auf den Tisch zu bringen.
Für das Solide als auch das Raffinierte steht dabei Koch Davor Slutay, er und Albus kennen sich von ihrer gemeinsamen Zeit in der Traube in Tonbach, wo der Chef nach seiner Ausbildung in Montreux im Restaurant-Service arbeitete. Davor Slutay lernte sein Handwerk auf der nahen Weitenburg, danach arbeitete er neben der Traube noch in zwei weiteren Sternerestaurants, dem Adler in Aspach und dem Dollenberg. Zusammen sorgen die beiden nun dafür, dass der Kaiser nicht nur für Einheimische und auf dem Neckarradweg vorüber kommende Touristen eine lohnende Einkehr darstellt.

Auf der Speisekarte erkennbar wird der solide Teil durch die zahlreichen schwäbischen Fleischgerichte, die in der Regel von einer Sahnesauce begleitet werden.

Karte Kaiser

Gleich beim Tomatentartar (6,50 €) als Vorspeise zeigt sich, dass Slutay in der Lage ist über dem Durchschnitt zu kochen, es ist sehr ansprechend angerichtet und überzeugt durch die feine Abstimmung zwischen der leichten Frische und Säure des Ziegenkäses und der Fruchtsüße der Tomaten.

Vorspeise Kaiser

Die Flädlesuppe ist sehr schön gewürzt, man kann mit Freude feststellen, dass die Suppe lange gekocht wurde, die Flädle sind angenehm bissfest.

 

Günther entscheidet sich für ein Filet vom Kabeljau (18,90 €). Es ist auf der Haut gebraten, das Fleisch konsistent und durchgehend weiß, es ruht auf einem Bett aus Currycouscous mit Gurke, Paprika und Erdnüssen. Zusammen ergibt das ein harmonisches Zusammenspiel der Aromen und unterstützt aufs Beste den Geschmack des Kabeljaus.

Fisch Kaiser

Georg entscheidet sich für für etwas Vegetarisches, ein Kräuterflädle mit eingebackenen frischen Kräutern, Gemüse und Sauce Holandaise (18,80 €). Kräuter und Gemüse sind jeweils mit ihrem Eigengeschmack vertreten und ergeben zusammen ein harmonisch aufeinander abgestimmtes Ganzes. Lediglich der Blumenkohl bleibt doch etwas fade, eine Zubereitung, die ihm einen erkennbaren Geschmack mitgegeben hätte, wäre hier zu empfehlen.

Pfannkuchen Kaiser

Albus empfiehlt zum Dessert eine raffinierte Süßspeise, in Butter und Zucker glasierte Bubenspitzle mit Vanilleeis, ein gelungener Schlusspunkt.

Dessert Kaiser

Der von Albus gekonnt servierte Weißburgunder von Alexander Laible, leicht, feingliedrig und fruchtig, passt perfekt zu beiden Mahlzeiten.

Insgesamt ist der Kaiser in Bieringen mehr als ein einfacher Landgasthof, man isst dort sehr gut, zu moderaten Preisen.

Ambiente: 3 von 5 Wellen
Service: 3,5 von 5 Wellen
Qualität: 4 von 5 Wellen

 

 

Restaurant „Schloss Weitenburg“ in Starzach

Hoch oben über dem Neckar thront bei Starzach – Börstingen die Weitenburg und zeigt schon durch seine Lage eine „Erhabenheit“ im wahrsten Sinne des Wortes. Auch das Hotel, das sich in einem Teil der Burg befindet ist auf einem hohen Niveau angesiedelt und hin und wieder darf es sich über den Besuch von Prominenz aus Politik und Kultur freuen, wovon die in der Eingangshalle ausgehängten Bilder Zeugnis ablegen.

Deckblatt Weitenburg gedrehtAuch das Restaurant des Hauses entspricht diesem gehobenen Niveau, wovon sich ein Teil des Teams anlässlich einer Konfirmation überzeugen konnte. Die Gesellschaft durfte im sogenannten Ahnensaal speisen, einem stimmungsvollen und geschmackvoll hergerichteten Raum des Schlosses.

 

 

 

Vorspeise WeitenburgDie Vorspeise: „Gebratene Garnele auf Kapernremoulade mit Avocado, Passionsfrucht und Wiesenkräutern“.

Es war eine gelungene Kombination, die Garnele bissfest mit markantem Geschmack, wirkungsvoll umrahmt von sahniger Remoulade und einem akzentuiertem Kontrast zur Passionsfrucht und den Kräutern.

 

Hauptgang WeitenburgDer Hauptgang: „Medaillons von Schwäbisch-Hällischem Landschwein und Rinderfilet auf Waldpilzragout, Blumenkohlgemüse und Schupfnudeln“

Auf dem Teller fanden sich zwei Stück sehr gut gebratenes Fleisch mit kräftigem Eigengeschmack auf klarer, leicht süßlicher Soße. Die frischen Pilzen überzeugten mit kraftvollem Geschmack, Der Blumenkohl zeigte sich etwas ausdrucklos, hier wäre eine leichte Verfeinerung angebracht gewesen.

Dessert WeitenburgDas Dessert: „Buttermilchmousse auf Himbeer-Vanillesoße mit Orangen-Mandelblatt und Joghurt-Limettensorbet“

Die einzelnen Bestandteile des Desserts bildeten einen interessanten geschmacklich treffenden Kontrast zwischen sahnigem Mousse und frischem Limettengeschmack.

 

So stimmungsvoll der Ahnensaal sich für eine Familienfeier eignet, für den Espresso erwies sich der Weg aus der Küche bis in den ersten Stock als zu weit, er war leider nicht mehr heiß.

Der Service war angenehm zurückhaltend und aufmerksam, ein deutlicher Minuspunkt war die Präsentation der beiden Weine. Sie wurden beide nicht am Tisch geöffnet, der hochwertige Rotwein (ein Grand Cru Classé aus dem Haut Medoc) in der Karaffe in den Raum gebracht, die Flasche dann auf Verlangen gezeigt.

Insgesamt ein sehr kompetent zusammengestelltes Menue, auf hohem Niveau zubereitet und angerichtet.

Ambiente: 3,5 von 5 Wellen
Service: 3 von 5 Wellen
Qualität: 4 von 5 Wellen

Restaurant „Rebstöckle 1794“ in Sulz a. N.

Ein Restaurant mit gehobener Küche in einer Kleinstadt mit etablierter gut-bürgerlicher Restaurantsszene neu zu betreiben ist ein rechtes Wagnis – trotzdem sind Jens Langhorst und Daniela Bommerer zuversichtlich, dass sich ihr „Rebstöckle 1794“ in Sulz am Neckar etablieren wird und in Zukunft einen festen Platz in der Gastronomie der Neckarstadt einnehmen wird.
Vorher war das Lokal lange Jahre eine Weinstube, nachdem der damalige Besitzer diese dann aufgab stand das Rebstöckle 10 Jahre lang leer. Vor zwei Jahren kaufte es ein Sulzer Bürger, betrieb es ein Jahr lang neben seinem eigentlichen Beruf und seit November letzten Jahres bewirten und bekochen nun die neuen Pächter ihre Gäste. Sven Langhorst kochte schon in Sterneküchen und Daniela Bommerer ist gelernte Konditorin und möchte ihre Fertigkeiten in diesem Beruf auch in die neue Wirkungsstätte einbringen.
Das Innere des Restaurants kann seine langjährige Bestimmtheit als Weinstube nicht verbergen, aber auf der Basis dieser Vergangenheit wurden sowohl der vordere Gastraum als auch der etwas höher gelegene Speiseraum sehr geschmackvoll und atmosphärisch stilsicher eingerichtet. Auch der Verzicht auf weiße Tischdecken ist als Anteil der gesamten Einrichtung stilistisch durchaus vertretbar.

Visitenkarte Reb

Die Begrüßung am Tisch ist freundlich und zuvorkommend. Die Speisekarte ist umfangreich, die einzelnen Speisen sind gegliedert in Salate, Hauptgang, Spezial, Vesper und ein Dessert, d. h. ein Menue lässt sich nur sehr schwer zusammenstellen, die einzelnen Bestandteile sind dann jeweils zu umfangreich.

Wir bestellen jeweils so, dass ein Rotwein passend erscheint, die Wahl fällt auf einen Spätburgunder „Epos“ von 2013 der Weingärtner Stromberg – Zabergäu. Die Weinkarte selbst ist sehr puristisch, alle angebotenen Weine, sowohl die offenen Weine als auch die Flaschenweine sind von den Weingärtnern Stromberg – Zabergäu, was die Bandbreite in der Weinstilistik doch erheblich einschränkt. Der bestellte Essensbegleiter ist von für einen Spätburgunder recht dunkler Farbe, mit einer intensiven Nase nach Schwarzkirsche und Pflaume, am Gaumen voll, elegant und mit leichter Würze, ein ansprechender Wein zu einem fairen Preis. Die Flasche wird nicht am Tisch geöffnet, auch ein Probeschluck ist nicht vorgesehen.

 

MedaillonDas erste Gericht: Zarte Medaillons vom Schweinefilet mit frischen Waldpilzen und Pommes Dauphine. (€ 15,80)

Die einzelnen Zutaten des zugehörigen Beilagensalates sind frisch, leider schwimmt der untere Teil davon doch zu sehr in der reichlichen Salatsauce, was das Gesamtbild etwas trübt. Das Fleisch ist von sehr guter Qualität, die Waldpilze frisch, die Pommes Dauphine selbst hergestellt und goldbraun frittiert. Die dazu bereitete Soße ist schwer von reichlich Rahm und wird geschmacklich von Salz dominiert.

 

RumpsteakDas zweite Gericht: Rumpsteak vom „Brasil Hilton“ mit Datteln und St. Albrey überbacken dazu Pommes Dauphine. (€ 17,80)

Das reichliche Stück Fleisch war ohne Fettrand und Sehnen, sehr gute Qualität. „Englisch“ war bestellt, es lag wohl einen Tick länger in der Pfanne. Die Bratensoße passte wunderbar, die Datteln und der St. Albray harmonierten perfekt mit dem Geschmack des Fleisches.

Fazit: Die leichten Schwächen werden sich mit der Zeit sicherlich ohne weiteres beheben, unterm Strich ist das „Rebstöckle“ in Sulz ohne jeden Zweifel eine Bereicherung für das kulinarische Angebot in der Gegend, es kann dort über dem Durchschnitt und auf jeden Fall preiswert gegessen werden.

Ambiente: 2,5 von 5 Wellen
Service: 2,5 von 5 Wellen
Qualität: 3 von 5 Wellen

Restaurant Züfle, Sulz – Glatt

Das kleine Dorf Glatt ist ein touristisch hoch erschlossener Ortsteil von Sulz mit einer für die Größe des Ortes hohen Anzahl von Hotels und Restaurants, wovon eines das Hotel „Züfle“ ist. In früheren Zeiten hatte es einen eher rustikalen Ruf als Veranstalter von „Bayrischen Wochen“, seit dem Besitzerwechsel vor einigen Jahren und der Etablierung des Hotels erwirbt sich das Restaurant mehr und mehr einen Ruf als Restaurant mit hervorgehobener Küche.
Die Atmosphäre erinnert leicht an den Frühstücksraum eines Hotels, doch sind die Einrichtungsgegenstände gediegen und von hoher Qualität.
Nach der überaus freundlichen Begrüßung steht auch sofort ein Körbchen mit Brot begleitet von Butter und Kräuterquark auf dem Tisch.

Nach dWraper Bestellung folgt auch gleich der „Gruß aus der Küche“, ein Wrap gefüllt mit Rucola, Salami, Pilzen und Tomaten – sehr wohlschmeckend.

 

 

 

Ungewöhnlich, aber durchaus lobenswert ist die Empfehlung eines kleinen Glases Pils als Aperitif, es kommt nicht allzu oft vor, dass diese passende Variante vorgeschlagen wird.

Bei Philipps Zwiebelrostbraten (€ 20,50) erweist sich das Fleisch als von Rostbratenüberdurchschnittlicher Qualität, es ist wie gewünscht auf den Punkt zubereitet. Allerdings wird bei der Bestellung nicht danach gefragt, wie es zubereitet werden soll, was im Einzelfall leicht zu Enttäuschungen führen kann. (Phillip sagte es dann von sich aus). Die Kombination mit Sauerkraut und den hausgemachten Schupfnudeln harmonisiert im Geschmack sehr gut mit dem Fleisch.

SeezungeGünthers Seezunge (€ 27,00) erschien ohne Kopf, was er sehr bedauerte, letztendlich aber bei der ausgezeichneten Qualität des Fisches und der perfekten Zubereitung nicht allzu sehr ins Gewicht fiel. Dazu passte der junge, bissfest gegarte Blattspinat ganz ausgezeichnet.

 

 

 

MaispoulardeGeorgs Ballotine (€ 18,50) von der Maispoularde war ohne Fehl und Tadel gerollt und zubereitet, die Füllung mit Chorizo und Kräutern ergab mit dem festen Fleisch eine sehr angenehme Geschmackskombination. Der Grünkohl dazu war bissfest gegart, besonders lobenswert war die sahnige Cremigkeit des Selleriepürees.

 

Die Weinkarte enthält nur sehr wenige Positionen, was die Wahl eines passenden Weines nicht unbedingt erleichtert. Die bestellte Flasche Rueda zum Fisch und der Maispoularde (€ 25,00) war von guter Qualität. Phillip ließ sich beraten und wurde gefragt ob er einen halbtrockenen oder trockenen bevorzugen würde. Dies sollte eigentlich der Weinfachmann des Hauses entscheiden, welcher Wein zu einem bestimmten Gericht passt.
Insgesamt wurde klar, dass im Züfle auf recht hohem Niveau gekocht wird, die Zutaten sind frisch und sehr schön aufeinander abgestimmt.

Ambiente: 2,5 von 5 Wellen
Service: 2,5 von 5 Wellen
Qualität: 4 von 5 Wellen

Ristorante „Da Enzo“ Freudenstadt

In der Gastronomie Deutschlands ist der „Italiener“ ein fester Begriff und oft genug die Antwort auf die Frage „Wo gehen wir heute hin?“ In der Regel steckt dahinter eine Pizzeria, bei der auch verschiedene Nudelgerichte angeboten werden und die sich bemüht mehr oder weniger gekonnt italienische Lebensart zu verbreiten.

Einige dieser „Italiener“ stehen aber auch für eine Essenskultur, bei der mehr als diese beiden Möglichkeiten des Nahrungserwerbs angeboten werden, sie versuchen italienisches Essen so anzubieten, wie es jenseits der Alpen schon immer Teil der Kultur war, und wo ein Nudelgericht nur ein Gang unter mehreren darstellt.
In Freudenstadt gibt es einige dieser Vertreter italienischer Lebensart, eines davon ist das „Ristorante da Enzo“ in der Reichsstraße.

Visitenkarte da Enzo

Beim Eintreten wird der Gast in eine erwartungsvolle Grundstimmung versetzt, ansprechend klare Linien in der Einrichtung, angenehme mediterrane Farben und saubere weiße Tischdecken vermitteln ein angenehmes Ambiente.
Die Beratung – durch den Chef persönlich mit süditalienischem Temperament vorgetragen – gerät etwas (gefühlt) zu drängend, die vorgeschlagenen Vorspeisen werden aber gut erklärt, auch die Weinberatung ist hilfreich.

Der kulinarische Teil des Abends beginnt vielversprechend. Die Zutaten aus denen die vom Chef vorgeschlagenen Antipasti zubereitet sind, erweisen sich von sehr guter Qualität.
Das Carpaccio ist wie im Originalrezept vom Rind und puristisch mit Olivenöl, Parmesanspänen und etwas Rucola angerichtet. Die Bitterkeit der Rucolablätter puffert das leicht sauer schmeckende Rindfleisch gut ab, der Parmesan rundet den Geschmack ab.
Das Vitello Tomato wird mit einer Sauce serviert, die mit Kapern und püriertem Thunfisch zubereitet ist. Diese Sauce ist recht reichlich über das Kalbfleisch verteilt, so dass sein Geschmack so gut wie kaum mehr wahrnehmbar ist.
Insgesamt sind diese typisch italienischen Vorspeisen ansprechend angerichtet.

Günthers Seezunge (€ 25,90) war perfekt zu filetieren und auf den Punkt gebraten. Die gegrillte Gemüsebegleitung passte zum Fisch und unterstützte dezent seinen Geschmack. Auf die Aubergine hätte er verzichten können, einerseits weil sie sowieso nichts weiter als neutral schmeckt und darüber hinaus auch bei ihrer Zubereitung zu intensiv in Öl gebadet worden war.

Auch Philipps Seeteufel (€ 26,50 €) erweist sich auf den Punkt gegart, bei der Zubereitung von Fisch erweist sich der Koch also als sehr kompetent. Die (selbst gemachten) Tagliatelle sind bissfest serviert und von einem leichten Tomatenragout begleitet, die verwendeten Tomaten erweisen sich als voll im Geschmack, keineswegs als wässerige Gewächshauspflanzen, und das im späten November. Leichte Einschränkungen sind bei der Sauce feststellbar, der Koch griff einen Hauch zu intensiv ins Salzgefäß.

Georgs Saltimbocca romana (wörtl. „Spring in den Mund!“) (€ 22,80) zeigt sich in wesentlichen Teilen als gelungen, das Kalbfleisch ist von guter Qualitätund perfekt gebraten, der Schinken luftgetrocknet und nicht geräuchert, das Gemüse (wie bei der Seezunge) harmonisiert mit dem Geschmack des Fleisches, dieser positive Eindruck wird jedoch leider etwas beeinträchtigt, denn auch hier ist die Sauce leicht übersalzen. Dies wirkt sich aber in der Verbindung mit dem Schinken noch stärker als bei der Seezunge aus und trübt den Gesamteindruck doch merklich.

Die Weinkarte des Restaurants ist wie „beim Italiener“ üblich, sie listet die gängigen Anbaugebiete auf und ist damit wenig aussagekräftig und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität der Weine zu. Günther wählte einen „Pinot bianco“, der sich als leicht über dem Durchschnitt erwies. Auf Anfrage wurden auch Flaschenweine gezeigt, es zeigte sich, dass hier durchaus Qualität zu vernünftigen Preisen vorhanden ist. Der Patrone empfahl zum Seeteufel und zum Saltimbicca einen Rosé der Tenuta Ca di Frati vom südlichen Gardasee, einem renommierten Gut des Anbaugebiets. Er passte sehr schön zu beiden Gerichten, unterstrich die jeweiligen Aromen und drängte sich nicht in den Vordergrund.
Der Espresso zum Abschluss wurde in heißen Tassen serviert und schmeckte hervorragend, was beim Italiener ja wohl auch zu erwarten ist.
Verwunderlich blieb bis zum Schluss, dass die Kerze auf dem Tisch als einzige im ganzen Restaurant unangezündet blieb und so ihren Teil zum gelungenen Ambiente nicht beitragen konnte.

Fazit: Im Ristorante „da Enzo“ in Freudenstadt gibt es zwar auch Pizza und Pasta, es lohnt sich jedoch durchaus, mal etwas mehr auszugeben und die italienische Küche in ihrer größeren Bandbreite zu genießen.

Ambiente: 3 von 5 Wellen
Service: 3 von 5 Wellen
Qualität: 3,5 von 5 Wellen

Bordeaux mit Stil

Deckblatt cotesSchon seit einigen Jahren mussten Winzer aus Europa feststellen, dass sich ihre Weine nicht mehr von alleine verkaufen, die Qualität konkurrierender Tropfen aus der ganzen übrigen weinproduzierenden Welt machte sich für sie mehr und mehr bemerkbar. Auch im Bordeaux müssen deshalb neue Wege beschritten werden, was einige Anbaugebiete dazu brachte, sich zusammen zu schließen und ihre Weine unter einem neuen Namen zu vermarkten.
Vier Anbaugebiete der mittleren bis gehobenen Qualitätsstufe beschritten diesen Weg und vereinten sich unter dem Namen „Côtes de Bordeaux“ (Blaye, Cadillac, Castillon, Francs) und dieser Zusammenschluss ist nicht ganz zufällig, denn alle vier Anbaugebiete haben eine für die Qualität der Weine bedeutende Gemeinsamkeit: Sie erstrecken sich an nordöstlich ausgerichteten Abhängen der Dordogne und der Garonne/Gironde.

Drei der Gebiete liegen am „Rive Droite“, was bedeutet, dass die Weine vom Merlot dominiert werden, nur Cadillac liegt im „Entre deux Mers“, demzufolge ist der Merlotanteil nicht ganz so hoch, aber immer noch 50% und mehr.
Vor kurzem fand in Stuttgart eine von nur drei Präsentationen (noch Berlin und Hamburg) statt, bei denen 20 Weine der neuen Vereinigung fachkundig vorgestellt wurden. Wir hatten die Gelegenheit, an dieser Verkostung teilzunehmen.
Bordeaux „genießt“ den Ruf, teuer zu sein. Dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass dies nur für den kleinen Teil der klassifizierten Weine gilt, wo die Preise in den letzten Jahren schwindelerregend in die Höhe geschossen waren. Der weit überwiegende Teil der im Bordelais erzeugten Weine Cotes Bordeaux karteist bezahlbar und bietet ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, sind also im besten Wortsinn „günstig“ und immer ihren Preis wert.
Dies gilt auch in hohem Maße für die von uns verkosteten Weine mit einer Preisspanne von 6 – 15 Euro. Sie verkörpern in hohem Maße all das was Bordeaux auszeichnet: Aromen nach dunklen Früchten: schwarze Johannisbeere, Kirsche, Pflaume. Am Gaumen präsentieren sie sich weich und rund mit durchweg gut eingebundenen Tanninen. Alle waren schon trinkreif, obwohl durch die Bank noch recht jung.
Günther meint, dass sie durch ihre Röstaromen ideale Begleiter von rotem Fleisch und Kurzgebratenem sind.

Phillip sieht in dem weißen Chateau Tifayne aus Francs wegen seiner Würze und der leichten Süße einen idealen Begleiter zu asiatischen Gerichten.
Sein Favorit war der Chateau L‘ Escadre aus Blaye. Ein Wein mit viel schwarzbeeriger Frucht, Kirsche, Vanille und pfeffriger Note und einem lang anhaltenden Abgang.
Georgs Favorit ist ein Vertreter aus Cadillac Côtes de Bordeaux, der Domaine de Terrefort, auch hier ein Wein, der von Merlot geprägt ist. Weich, rund mit ausgeprägter Kirschnote und würzig-vanilligem Geschmack.