Ristorante „Da Enzo“ Freudenstadt

In der Gastronomie Deutschlands ist der „Italiener“ ein fester Begriff und oft genug die Antwort auf die Frage „Wo gehen wir heute hin?“ In der Regel steckt dahinter eine Pizzeria, bei der auch verschiedene Nudelgerichte angeboten werden und die sich bemüht mehr oder weniger gekonnt italienische Lebensart zu verbreiten.

Einige dieser „Italiener“ stehen aber auch für eine Essenskultur, bei der mehr als diese beiden Möglichkeiten des Nahrungserwerbs angeboten werden, sie versuchen italienisches Essen so anzubieten, wie es jenseits der Alpen schon immer Teil der Kultur war, und wo ein Nudelgericht nur ein Gang unter mehreren darstellt.
In Freudenstadt gibt es einige dieser Vertreter italienischer Lebensart, eines davon ist das „Ristorante da Enzo“ in der Reichsstraße.

Visitenkarte da Enzo

Beim Eintreten wird der Gast in eine erwartungsvolle Grundstimmung versetzt, ansprechend klare Linien in der Einrichtung, angenehme mediterrane Farben und saubere weiße Tischdecken vermitteln ein angenehmes Ambiente.
Die Beratung – durch den Chef persönlich mit süditalienischem Temperament vorgetragen – gerät etwas (gefühlt) zu drängend, die vorgeschlagenen Vorspeisen werden aber gut erklärt, auch die Weinberatung ist hilfreich.

Der kulinarische Teil des Abends beginnt vielversprechend. Die Zutaten aus denen die vom Chef vorgeschlagenen Antipasti zubereitet sind, erweisen sich von sehr guter Qualität.
Das Carpaccio ist wie im Originalrezept vom Rind und puristisch mit Olivenöl, Parmesanspänen und etwas Rucola angerichtet. Die Bitterkeit der Rucolablätter puffert das leicht sauer schmeckende Rindfleisch gut ab, der Parmesan rundet den Geschmack ab.
Das Vitello Tomato wird mit einer Sauce serviert, die mit Kapern und püriertem Thunfisch zubereitet ist. Diese Sauce ist recht reichlich über das Kalbfleisch verteilt, so dass sein Geschmack so gut wie kaum mehr wahrnehmbar ist.
Insgesamt sind diese typisch italienischen Vorspeisen ansprechend angerichtet.

Günthers Seezunge (€ 25,90) war perfekt zu filetieren und auf den Punkt gebraten. Die gegrillte Gemüsebegleitung passte zum Fisch und unterstützte dezent seinen Geschmack. Auf die Aubergine hätte er verzichten können, einerseits weil sie sowieso nichts weiter als neutral schmeckt und darüber hinaus auch bei ihrer Zubereitung zu intensiv in Öl gebadet worden war.

Auch Philipps Seeteufel (€ 26,50 €) erweist sich auf den Punkt gegart, bei der Zubereitung von Fisch erweist sich der Koch also als sehr kompetent. Die (selbst gemachten) Tagliatelle sind bissfest serviert und von einem leichten Tomatenragout begleitet, die verwendeten Tomaten erweisen sich als voll im Geschmack, keineswegs als wässerige Gewächshauspflanzen, und das im späten November. Leichte Einschränkungen sind bei der Sauce feststellbar, der Koch griff einen Hauch zu intensiv ins Salzgefäß.

Georgs Saltimbocca romana (wörtl. „Spring in den Mund!“) (€ 22,80) zeigt sich in wesentlichen Teilen als gelungen, das Kalbfleisch ist von guter Qualitätund perfekt gebraten, der Schinken luftgetrocknet und nicht geräuchert, das Gemüse (wie bei der Seezunge) harmonisiert mit dem Geschmack des Fleisches, dieser positive Eindruck wird jedoch leider etwas beeinträchtigt, denn auch hier ist die Sauce leicht übersalzen. Dies wirkt sich aber in der Verbindung mit dem Schinken noch stärker als bei der Seezunge aus und trübt den Gesamteindruck doch merklich.

Die Weinkarte des Restaurants ist wie „beim Italiener“ üblich, sie listet die gängigen Anbaugebiete auf und ist damit wenig aussagekräftig und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität der Weine zu. Günther wählte einen „Pinot bianco“, der sich als leicht über dem Durchschnitt erwies. Auf Anfrage wurden auch Flaschenweine gezeigt, es zeigte sich, dass hier durchaus Qualität zu vernünftigen Preisen vorhanden ist. Der Patrone empfahl zum Seeteufel und zum Saltimbicca einen Rosé der Tenuta Ca di Frati vom südlichen Gardasee, einem renommierten Gut des Anbaugebiets. Er passte sehr schön zu beiden Gerichten, unterstrich die jeweiligen Aromen und drängte sich nicht in den Vordergrund.
Der Espresso zum Abschluss wurde in heißen Tassen serviert und schmeckte hervorragend, was beim Italiener ja wohl auch zu erwarten ist.
Verwunderlich blieb bis zum Schluss, dass die Kerze auf dem Tisch als einzige im ganzen Restaurant unangezündet blieb und so ihren Teil zum gelungenen Ambiente nicht beitragen konnte.

Fazit: Im Ristorante „da Enzo“ in Freudenstadt gibt es zwar auch Pizza und Pasta, es lohnt sich jedoch durchaus, mal etwas mehr auszugeben und die italienische Küche in ihrer größeren Bandbreite zu genießen.

Ambiente: 3 von 5 Wellen
Service: 3 von 5 Wellen
Qualität: 3,5 von 5 Wellen

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