Meze – Akademie Tübingen

 

Das griechische Restaurant ist in Deutschland eine Erfolgsgeschichte. In den Sechzigern ging man zum „Italiener“ um Essen mit Urlaubsfeeling zu verbinden, Jahre später traf man sich beim „Griechen an der Ecke“ um das gleiche Gefühl zu haben. Bis in die heutige Zeit bleiben „Poseidon“, „Mykonos“ oder „Zorbas“ die Orte, wo viele Bundesbürger sich hinbegeben um zu essen und sich wohl zu fühlen.

Der gute Ruf hellenischer Tavernen gründet sich bei uns dabei vor allem auf Unmengen von Fleisch, das sich auf den Tellern mit verschiedenen phantasievollen griechischen Namen türmt und dessen Qualität bei der Menge und dem Preis des Gerichts doch mit etwas Mißtrauen zu betrachten ist. Doch gewisse Bedenken in dieser Richtung werden dann spätestens beim Gratis-Ouzo unwiederbringlich hinweg gespült. Kulinarische Raffinesse war mit einem Besuch beim Griechen jedoch meist nicht verbunden.

In Tübingen versucht seit einem Jahr die Meze-Akademie im Lorettoviertel diesen für Feinschmecker zweifelhaften Ruf aus der Welt zu schaffen. Laut Eigenwerbung wird mediterrane Küche angeboten und bei den Hauptgerichten sind original griechische Gerichte auch in der Unterzahl. Doch im Meze ist der Name Programm, griechische Küchenkultur findet sich bei den Vorspeisen (griech. Meze), hier werden traditionelle Gerichte mit kulinarischer Raffinesse angeboten. Die beiden Wirtsleute machen einen engagierten Eindruck, es wird klar, dass sie mit Leidenschaft griechische Küche neu interpretieren wollen.

Die Mezeakademie bietet ausreichend Raum für viele Gäste, zu aller erst im Hauptraum, dessen Wand zur Straße hin vollständig verglast und dadurch hell und lichtdurchflutet erscheint. Platz für weitere Tische findet sich in einem kleineren Seitenraum und im Durchgang dazu. Alle Räume sind ansprechend dekoriert, man fühlt sich wohl bei diesem Griechen. Etwas zeitaufwändig gestaltet sich die Bestellung, zum einen, dass die Gerichte nur auf große Tafeln aufgeschrieben sind, die vor die Tische gestellt werden, und zum zweiten auch dadurch, dass das Angebot doch jeweils erklärungsbedürftig ist. Das Positive daran ist, dass man den Eindruck erhält, dass die Speisen immer wieder aktuell zusammengestellt werden.

Die Zutaten erscheinen frisch und von guter Qualität, der Service ist immer freundlich, auch wenn die jungen, aufmerksamen Servicekräfte nicht immer ganz Bescheid wissen.

Wir entschieden uns für je zwei Vorspeisen, insgesamt ergab das eine für jeden ausreichende Mahlzeit.

 

 

Weinblätter gefüllt mit Lamm und Rind in Zitronensauce

Die Weinblätter sind nicht wie sonst beim Griechen aus der Dose sondern selbst hergestellt, was sich beim ersten Biss schon positiv bemerkbar macht. Sie sind gut und ausgewogen gewürzt, die Zitronensauce ist eine traditionelle, cremige Mehl-Sahne-Sauce, ihr fehlt doch Leichtigkeit und Finesse.

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 Calamari mit Käse und Gemüse

Der Calamari ist am Stück zubereitet, für seine Größe könnte er noch etwas stärker gegrillt sein, die Füllung ist passend zur kurzen Grillzeit dezent gewürzt, insgesamt ein harmonischer Gesamteindruck.

 

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Flogeres (griech. Flöte) gefüllt mit Rind, Pinienkerne, Graviera-Käse (Schaf, Ziege), Tsatsiki-Dip

Diese Vorspeise erschien als optisch interessant angerichtete, dünne Blätterteigrollen mit einer kräftigen Füllung. Die zerstoßenen Pinienkerne in der Käsesauce harmonieren wunderbar mit der Fleischfüllung, leider trübt der zu starke Fritiergeschmack den Gesamteindruck doch etwas.

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Geräucherte Aubergine mit Kräutern und Feta

Diese Vorspeise bietet durch die verwendeten Kräuter und den ausgezeichneten, krümeligen, feinen Fetakäse ein breites Aromenspektrum, die Auberginen tragen durch einen dezenten Rauchgeschmack, der durch Garen im Ofen erreicht wurde, noch dazu bei.

 

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 Bougatza

Das Dessert ist eine typische griechische Süßspeise, die durch viel Zucker geprägte Grießfüllung wurde nicht in Milch gekocht und erscheint dadurch nicht als schwere Grießpampe sondern leicht und bissfest. Sie wird durch einen feinen Blätterteig umhüllt.

 

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Wer wie beim Griechen sonst gewohnt einen vollen Teller erwartet, wird hier (angenehm) überrascht, die Speisen sind übersichtlich, optisch ansprechend angerichtet, zwei Vorspeisen waren für uns ausreichend.

Insgesamt ist ein Besuch in der Mezeakademie zu empfehlen, die Speisen sind doch etwas feiner und raffinierter zubereitet als bei den traditionellen Griechen.

Ambiente: 4 von 5 Wellen
Service:    4 von 5 Wellen
Qualität:   3,5 von 5 Wellen