Quartier 77 Horb

Vor gut 4 Monaten eröffneten Vater und Sohn Kiefer in der ehemaligen Kaserne auf dem Hohenberg in Horb ihr Restaurant „Quartier 77“ und Koch Markus Kajtezovic bereitete sein erstes Gericht in seiner neuen Küche vor. Die Kiefers traten an mit dem Willen und dem erklärten Ziel, in Horb ein Restaurant der gehobenen Klasse zu etablieren, die bisherigen Kommentare in der Szene der Horber Restaurant-Gänger waren bisher etwas uneinheitlich, aber durchaus mit der Tendenz dahin, dass dieses Ziel erreicht wurde. Grund genug für uns, dass wir uns ein eigenes Urteil bilden wollten.

Einer der hauptsächlichen Kritikpunkte, die uns bisher zu Ohren gekommen waren betraf die räumliche Situation, die Einrichtung und die sich daraus ergebende Atmosphäre des Restaurants. Unser Urteil darüber ist einhellig, es ist gelungen, die schwierigen Voraussetzungen in ein schlüssiges Gesamtkonzept überzuführen. Der lange, schlauchartige Raum erscheint in klaren, geraden Linien und Farben, die verschiedene Grautöne umfassen und bietet damit zusammen mit den Tischen und Stühlen, die sich in ähnlichem Stil präsentieren, einen modern gestalteten Raum mit kühler aber angenehmer Atmosphäre. Einige Bilder an der Wand mit entsprechendem Stil könnten hier noch für etwas Auflockerung sorgen.

Der Service, der kurz nach dem Eintreten beginnt, sorgt dafür, dass man sich immer freundlich umsorgt und aufgenommen fühlt.

Auf der Speisekarte wird besonders darauf hingewiesen, dass das Restaurant aus Verantwortung vor den Nahrungsmitteln auf große Portionen verzichtet und bei Bedarf deshalb nachbestellt werden kann.

 

Der Tomatensalat mit Pulpo (9,00 €) zeigt sich als ein insgesamt sehr fein abgestimmte Vorspeise, die drei verschiedenen Tomaten (rot, gelb, grün) liefern sehr unterschiedliche Nuancen dieser Frucht und harmonieren aufs Beste mit den Röstaromen der Tintenfischteile – ein erstes Highlight.

Günthers Beilagensalat überrascht mit einer Vielfalt von feinen Salatsorten im zartestem Zustand.
Das hatte nichts mit dem üblichen Kopfsalat-Tomaten-Gurkengemisch zu tun,das sonst lieblos mit Essig und Öl daher kommt.

Philipps Tatar überzeugt nicht nur optisch, die einzelnen Komponenten sind von ausgezeichneter Qualität und harmonieren im Geschmack sehr fein miteinander.

Beim gebratenen Zanderfilet (21,00 €) ist der Fisch von sehr guter Qualität, jedoch an einigen wenigen Stellen so hart gebraten, dass ein stärkerer Rauchgeschmack zutage tritt, das kann man mögen, muss es aber nicht. Die Spinatcreme und die Thymian-Tomaten Gnocchi sind sehr gut zubereitet und im Geschmack fein auf den Fisch abgestimmt.

Hüfte und Karree vom Salzwiesenlamm mit Gemüsestrudel und Pfifferlingen (31,00 €) – das Stück Hüfte ist wunderbar rosa gebraten und butterweich, das Karree war ein Lammkotelett in feiner Pannade, eine gute Idee.
Wer einmal Lamm essen will,sollte dieses Gericht probieren.
(Keine Massentierhaltung,keine riesigen Schlachthöfe,heimische Schäfereien)

Auch der Rücken vom Thüringer DUROC-Schwein mit Kartoffelkrapfen und Ackerbohnen (26,00 €) ist ein Stück Fleisch von ausgezeichneter Qualität, perfekt zubereitet und harmonisch eingerahmt von den bissfesten Bohnen und den Kartoffeln.

Die Portionen sind in jedem Fall ausreichend, eine Nachspeise nicht mehr nötig.

Das Weinangebot ist einem Haus der gehobenen Qualität nicht angemessen. Das Angebot offener Weine umfasst nur jeweils zwei Weiß-, Rot- und Roséweine und ist dadurch nur eingeschränkt auf die Kombination mit den jeweiligen Speisen ausgerichtet. Die Weinkarte mit den Flaschenweinen bietet eine genügende Auswahl an soliden Weinen, es fehlen jedoch einige „Leuchttürme“, d.h. Weine gehobener oder auch höchster Qualität.

Das Quartier 77 ist ein überzeugendes Angebot in der Palette der Horber Speisemöglichkeiten, es wäre überaus zu bedauern, wenn es auf Dauer keinen Festen Bestand haben würde. Der – relativ geringe – Unterschied im Preis gegenüber anderen Orten ist auf jeden Fall gerechtfertigt.

 

Ambiente: 3,5 von 5 Wellen

Service: 4 von 5 Wellen

Qualität: 4,5 von 5 Wellen