Restaurant „Schloss Weitenburg“ in Starzach

Hoch oben über dem Neckar thront bei Starzach – Börstingen die Weitenburg und zeigt schon durch seine Lage eine „Erhabenheit“ im wahrsten Sinne des Wortes. Auch das Hotel, das sich in einem Teil der Burg befindet ist auf einem hohen Niveau angesiedelt und hin und wieder darf es sich über den Besuch von Prominenz aus Politik und Kultur freuen, wovon die in der Eingangshalle ausgehängten Bilder Zeugnis ablegen.

Deckblatt Weitenburg gedrehtAuch das Restaurant des Hauses entspricht diesem gehobenen Niveau, wovon sich ein Teil des Teams anlässlich einer Konfirmation überzeugen konnte. Die Gesellschaft durfte im sogenannten Ahnensaal speisen, einem stimmungsvollen und geschmackvoll hergerichteten Raum des Schlosses.

 

 

 

Vorspeise WeitenburgDie Vorspeise: „Gebratene Garnele auf Kapernremoulade mit Avocado, Passionsfrucht und Wiesenkräutern“.

Es war eine gelungene Kombination, die Garnele bissfest mit markantem Geschmack, wirkungsvoll umrahmt von sahniger Remoulade und einem akzentuiertem Kontrast zur Passionsfrucht und den Kräutern.

 

Hauptgang WeitenburgDer Hauptgang: „Medaillons von Schwäbisch-Hällischem Landschwein und Rinderfilet auf Waldpilzragout, Blumenkohlgemüse und Schupfnudeln“

Auf dem Teller fanden sich zwei Stück sehr gut gebratenes Fleisch mit kräftigem Eigengeschmack auf klarer, leicht süßlicher Soße. Die frischen Pilzen überzeugten mit kraftvollem Geschmack, Der Blumenkohl zeigte sich etwas ausdrucklos, hier wäre eine leichte Verfeinerung angebracht gewesen.

Dessert WeitenburgDas Dessert: „Buttermilchmousse auf Himbeer-Vanillesoße mit Orangen-Mandelblatt und Joghurt-Limettensorbet“

Die einzelnen Bestandteile des Desserts bildeten einen interessanten geschmacklich treffenden Kontrast zwischen sahnigem Mousse und frischem Limettengeschmack.

 

So stimmungsvoll der Ahnensaal sich für eine Familienfeier eignet, für den Espresso erwies sich der Weg aus der Küche bis in den ersten Stock als zu weit, er war leider nicht mehr heiß.

Der Service war angenehm zurückhaltend und aufmerksam, ein deutlicher Minuspunkt war die Präsentation der beiden Weine. Sie wurden beide nicht am Tisch geöffnet, der hochwertige Rotwein (ein Grand Cru Classé aus dem Haut Medoc) in der Karaffe in den Raum gebracht, die Flasche dann auf Verlangen gezeigt.

Insgesamt ein sehr kompetent zusammengestelltes Menue, auf hohem Niveau zubereitet und angerichtet.

Ambiente: 3,5 von 5 Wellen
Service: 3 von 5 Wellen
Qualität: 4 von 5 Wellen

Restaurant „Rebstöckle 1794“ in Sulz a. N.

Ein Restaurant mit gehobener Küche in einer Kleinstadt mit etablierter gut-bürgerlicher Restaurantsszene neu zu betreiben ist ein rechtes Wagnis – trotzdem sind Jens Langhorst und Daniela Bommerer zuversichtlich, dass sich ihr „Rebstöckle 1794“ in Sulz am Neckar etablieren wird und in Zukunft einen festen Platz in der Gastronomie der Neckarstadt einnehmen wird.
Vorher war das Lokal lange Jahre eine Weinstube, nachdem der damalige Besitzer diese dann aufgab stand das Rebstöckle 10 Jahre lang leer. Vor zwei Jahren kaufte es ein Sulzer Bürger, betrieb es ein Jahr lang neben seinem eigentlichen Beruf und seit November letzten Jahres bewirten und bekochen nun die neuen Pächter ihre Gäste. Sven Langhorst kochte schon in Sterneküchen und Daniela Bommerer ist gelernte Konditorin und möchte ihre Fertigkeiten in diesem Beruf auch in die neue Wirkungsstätte einbringen.
Das Innere des Restaurants kann seine langjährige Bestimmtheit als Weinstube nicht verbergen, aber auf der Basis dieser Vergangenheit wurden sowohl der vordere Gastraum als auch der etwas höher gelegene Speiseraum sehr geschmackvoll und atmosphärisch stilsicher eingerichtet. Auch der Verzicht auf weiße Tischdecken ist als Anteil der gesamten Einrichtung stilistisch durchaus vertretbar.

Visitenkarte Reb

Die Begrüßung am Tisch ist freundlich und zuvorkommend. Die Speisekarte ist umfangreich, die einzelnen Speisen sind gegliedert in Salate, Hauptgang, Spezial, Vesper und ein Dessert, d. h. ein Menue lässt sich nur sehr schwer zusammenstellen, die einzelnen Bestandteile sind dann jeweils zu umfangreich.

Wir bestellen jeweils so, dass ein Rotwein passend erscheint, die Wahl fällt auf einen Spätburgunder „Epos“ von 2013 der Weingärtner Stromberg – Zabergäu. Die Weinkarte selbst ist sehr puristisch, alle angebotenen Weine, sowohl die offenen Weine als auch die Flaschenweine sind von den Weingärtnern Stromberg – Zabergäu, was die Bandbreite in der Weinstilistik doch erheblich einschränkt. Der bestellte Essensbegleiter ist von für einen Spätburgunder recht dunkler Farbe, mit einer intensiven Nase nach Schwarzkirsche und Pflaume, am Gaumen voll, elegant und mit leichter Würze, ein ansprechender Wein zu einem fairen Preis. Die Flasche wird nicht am Tisch geöffnet, auch ein Probeschluck ist nicht vorgesehen.

 

MedaillonDas erste Gericht: Zarte Medaillons vom Schweinefilet mit frischen Waldpilzen und Pommes Dauphine. (€ 15,80)

Die einzelnen Zutaten des zugehörigen Beilagensalates sind frisch, leider schwimmt der untere Teil davon doch zu sehr in der reichlichen Salatsauce, was das Gesamtbild etwas trübt. Das Fleisch ist von sehr guter Qualität, die Waldpilze frisch, die Pommes Dauphine selbst hergestellt und goldbraun frittiert. Die dazu bereitete Soße ist schwer von reichlich Rahm und wird geschmacklich von Salz dominiert.

 

RumpsteakDas zweite Gericht: Rumpsteak vom „Brasil Hilton“ mit Datteln und St. Albrey überbacken dazu Pommes Dauphine. (€ 17,80)

Das reichliche Stück Fleisch war ohne Fettrand und Sehnen, sehr gute Qualität. „Englisch“ war bestellt, es lag wohl einen Tick länger in der Pfanne. Die Bratensoße passte wunderbar, die Datteln und der St. Albray harmonierten perfekt mit dem Geschmack des Fleisches.

Fazit: Die leichten Schwächen werden sich mit der Zeit sicherlich ohne weiteres beheben, unterm Strich ist das „Rebstöckle“ in Sulz ohne jeden Zweifel eine Bereicherung für das kulinarische Angebot in der Gegend, es kann dort über dem Durchschnitt und auf jeden Fall preiswert gegessen werden.

Ambiente: 2,5 von 5 Wellen
Service: 2,5 von 5 Wellen
Qualität: 3 von 5 Wellen

Restaurant Züfle, Sulz – Glatt

Das kleine Dorf Glatt ist ein touristisch hoch erschlossener Ortsteil von Sulz mit einer für die Größe des Ortes hohen Anzahl von Hotels und Restaurants, wovon eines das Hotel „Züfle“ ist. In früheren Zeiten hatte es einen eher rustikalen Ruf als Veranstalter von „Bayrischen Wochen“, seit dem Besitzerwechsel vor einigen Jahren und der Etablierung des Hotels erwirbt sich das Restaurant mehr und mehr einen Ruf als Restaurant mit hervorgehobener Küche.
Die Atmosphäre erinnert leicht an den Frühstücksraum eines Hotels, doch sind die Einrichtungsgegenstände gediegen und von hoher Qualität.
Nach der überaus freundlichen Begrüßung steht auch sofort ein Körbchen mit Brot begleitet von Butter und Kräuterquark auf dem Tisch.

Nach dWraper Bestellung folgt auch gleich der „Gruß aus der Küche“, ein Wrap gefüllt mit Rucola, Salami, Pilzen und Tomaten – sehr wohlschmeckend.

 

 

 

Ungewöhnlich, aber durchaus lobenswert ist die Empfehlung eines kleinen Glases Pils als Aperitif, es kommt nicht allzu oft vor, dass diese passende Variante vorgeschlagen wird.

Bei Philipps Zwiebelrostbraten (€ 20,50) erweist sich das Fleisch als von Rostbratenüberdurchschnittlicher Qualität, es ist wie gewünscht auf den Punkt zubereitet. Allerdings wird bei der Bestellung nicht danach gefragt, wie es zubereitet werden soll, was im Einzelfall leicht zu Enttäuschungen führen kann. (Phillip sagte es dann von sich aus). Die Kombination mit Sauerkraut und den hausgemachten Schupfnudeln harmonisiert im Geschmack sehr gut mit dem Fleisch.

SeezungeGünthers Seezunge (€ 27,00) erschien ohne Kopf, was er sehr bedauerte, letztendlich aber bei der ausgezeichneten Qualität des Fisches und der perfekten Zubereitung nicht allzu sehr ins Gewicht fiel. Dazu passte der junge, bissfest gegarte Blattspinat ganz ausgezeichnet.

 

 

 

MaispoulardeGeorgs Ballotine (€ 18,50) von der Maispoularde war ohne Fehl und Tadel gerollt und zubereitet, die Füllung mit Chorizo und Kräutern ergab mit dem festen Fleisch eine sehr angenehme Geschmackskombination. Der Grünkohl dazu war bissfest gegart, besonders lobenswert war die sahnige Cremigkeit des Selleriepürees.

 

Die Weinkarte enthält nur sehr wenige Positionen, was die Wahl eines passenden Weines nicht unbedingt erleichtert. Die bestellte Flasche Rueda zum Fisch und der Maispoularde (€ 25,00) war von guter Qualität. Phillip ließ sich beraten und wurde gefragt ob er einen halbtrockenen oder trockenen bevorzugen würde. Dies sollte eigentlich der Weinfachmann des Hauses entscheiden, welcher Wein zu einem bestimmten Gericht passt.
Insgesamt wurde klar, dass im Züfle auf recht hohem Niveau gekocht wird, die Zutaten sind frisch und sehr schön aufeinander abgestimmt.

Ambiente: 2,5 von 5 Wellen
Service: 2,5 von 5 Wellen
Qualität: 4 von 5 Wellen

Ristorante „Da Enzo“ Freudenstadt

In der Gastronomie Deutschlands ist der „Italiener“ ein fester Begriff und oft genug die Antwort auf die Frage „Wo gehen wir heute hin?“ In der Regel steckt dahinter eine Pizzeria, bei der auch verschiedene Nudelgerichte angeboten werden und die sich bemüht mehr oder weniger gekonnt italienische Lebensart zu verbreiten.

Einige dieser „Italiener“ stehen aber auch für eine Essenskultur, bei der mehr als diese beiden Möglichkeiten des Nahrungserwerbs angeboten werden, sie versuchen italienisches Essen so anzubieten, wie es jenseits der Alpen schon immer Teil der Kultur war, und wo ein Nudelgericht nur ein Gang unter mehreren darstellt.
In Freudenstadt gibt es einige dieser Vertreter italienischer Lebensart, eines davon ist das „Ristorante da Enzo“ in der Reichsstraße.

Visitenkarte da Enzo

Beim Eintreten wird der Gast in eine erwartungsvolle Grundstimmung versetzt, ansprechend klare Linien in der Einrichtung, angenehme mediterrane Farben und saubere weiße Tischdecken vermitteln ein angenehmes Ambiente.
Die Beratung – durch den Chef persönlich mit süditalienischem Temperament vorgetragen – gerät etwas (gefühlt) zu drängend, die vorgeschlagenen Vorspeisen werden aber gut erklärt, auch die Weinberatung ist hilfreich.

Der kulinarische Teil des Abends beginnt vielversprechend. Die Zutaten aus denen die vom Chef vorgeschlagenen Antipasti zubereitet sind, erweisen sich von sehr guter Qualität.
Das Carpaccio ist wie im Originalrezept vom Rind und puristisch mit Olivenöl, Parmesanspänen und etwas Rucola angerichtet. Die Bitterkeit der Rucolablätter puffert das leicht sauer schmeckende Rindfleisch gut ab, der Parmesan rundet den Geschmack ab.
Das Vitello Tomato wird mit einer Sauce serviert, die mit Kapern und püriertem Thunfisch zubereitet ist. Diese Sauce ist recht reichlich über das Kalbfleisch verteilt, so dass sein Geschmack so gut wie kaum mehr wahrnehmbar ist.
Insgesamt sind diese typisch italienischen Vorspeisen ansprechend angerichtet.

Günthers Seezunge (€ 25,90) war perfekt zu filetieren und auf den Punkt gebraten. Die gegrillte Gemüsebegleitung passte zum Fisch und unterstützte dezent seinen Geschmack. Auf die Aubergine hätte er verzichten können, einerseits weil sie sowieso nichts weiter als neutral schmeckt und darüber hinaus auch bei ihrer Zubereitung zu intensiv in Öl gebadet worden war.

Auch Philipps Seeteufel (€ 26,50 €) erweist sich auf den Punkt gegart, bei der Zubereitung von Fisch erweist sich der Koch also als sehr kompetent. Die (selbst gemachten) Tagliatelle sind bissfest serviert und von einem leichten Tomatenragout begleitet, die verwendeten Tomaten erweisen sich als voll im Geschmack, keineswegs als wässerige Gewächshauspflanzen, und das im späten November. Leichte Einschränkungen sind bei der Sauce feststellbar, der Koch griff einen Hauch zu intensiv ins Salzgefäß.

Georgs Saltimbocca romana (wörtl. „Spring in den Mund!“) (€ 22,80) zeigt sich in wesentlichen Teilen als gelungen, das Kalbfleisch ist von guter Qualitätund perfekt gebraten, der Schinken luftgetrocknet und nicht geräuchert, das Gemüse (wie bei der Seezunge) harmonisiert mit dem Geschmack des Fleisches, dieser positive Eindruck wird jedoch leider etwas beeinträchtigt, denn auch hier ist die Sauce leicht übersalzen. Dies wirkt sich aber in der Verbindung mit dem Schinken noch stärker als bei der Seezunge aus und trübt den Gesamteindruck doch merklich.

Die Weinkarte des Restaurants ist wie „beim Italiener“ üblich, sie listet die gängigen Anbaugebiete auf und ist damit wenig aussagekräftig und lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Qualität der Weine zu. Günther wählte einen „Pinot bianco“, der sich als leicht über dem Durchschnitt erwies. Auf Anfrage wurden auch Flaschenweine gezeigt, es zeigte sich, dass hier durchaus Qualität zu vernünftigen Preisen vorhanden ist. Der Patrone empfahl zum Seeteufel und zum Saltimbicca einen Rosé der Tenuta Ca di Frati vom südlichen Gardasee, einem renommierten Gut des Anbaugebiets. Er passte sehr schön zu beiden Gerichten, unterstrich die jeweiligen Aromen und drängte sich nicht in den Vordergrund.
Der Espresso zum Abschluss wurde in heißen Tassen serviert und schmeckte hervorragend, was beim Italiener ja wohl auch zu erwarten ist.
Verwunderlich blieb bis zum Schluss, dass die Kerze auf dem Tisch als einzige im ganzen Restaurant unangezündet blieb und so ihren Teil zum gelungenen Ambiente nicht beitragen konnte.

Fazit: Im Ristorante „da Enzo“ in Freudenstadt gibt es zwar auch Pizza und Pasta, es lohnt sich jedoch durchaus, mal etwas mehr auszugeben und die italienische Küche in ihrer größeren Bandbreite zu genießen.

Ambiente: 3 von 5 Wellen
Service: 3 von 5 Wellen
Qualität: 3,5 von 5 Wellen